…im Alltag

„Neutrois“ ist eine neutrale Geschlechtsidentität. Das bedeutet: Das Geschlecht, dem sich eine neutrois-Person psychisch, geistig und emotional zugehörig fühlt ist „neutral“. Die Geschlechtsidentität hat nichts mit dem Körper, der Kleidung, dem Verhalten oder dem Geschlechtseintrag im Ausweis zu tun.
Im Alltag ist es deswegen schwierig, neutrois-Menschen einfach so zu erkennen. Immerhin sehen ja auch männliche und weibliche Menschen nicht alle gleich aus! Und nicht jeder, der nicht ganz männlich oder nicht ganz weiblich wirkt, ist deswegen gleich neutrois.

Aussehen

Manche neutrois-Menschen bemühen sich um einen androgynen Look, um ihrer Geschlechtsidentität Ausdruck zu verleihen. Sie wollen auch im Alltag ganz klar als nicht-männlich und nicht-weiblich erkannt werden.
Es gibt aber auch viele Gründe, darauf zu verzichten. Zum Beispiel, um weniger aufzufallen und keine blöden Sprüche hören zu müssen, oder weil einem eine feminine oder maskuline Art von Kleidung/Frisur einfach besser gefällt.
Manche neutrois-Menschen sind auch nicht exakt neutral, sondern ein bisschen auf der femininen oder der maskulinen Seite – so wie es ja auch burschikose Frauen und feminine Männer gibt.
Für neutrois-Personen ist es schwierig, in ihrem Geschlecht anerkannt zu werden. Die meisten Menschen kennen nur weiblich und männlich und wissen nicht, dass es daneben noch viel mehr Geschlechter gibt. Deswegen wird man im Alltag meistens als Mann oder als Frau eingestuft ohne dass überhaupt jemand auf die Idee kommt nachzufragen. Das kann sehr frustrierend sein.

Sprache

Pronomen
Pronomen sind auf Deutsch eine sehr schwierige Sache, es gibt ja nur drei: er, sie und es.
Bei „sie“ und „er“ denkt man sofort an ein weibliches oder männliches Geschlecht, was zu neutrois-Menschen ja nicht passt. Eigentlich wäre „es“ geschlechtsneutral, aber dieses Pronomen wird meist für Gegenstände oder Tiere benutzt, nicht unbedingt für Menschen.
Viele Leute empfinden das Pronomen „es“ deswegen als beleidigend und entwürdigend und benutzen lieber „sie“ oder „er“. Andere versuchen „es“ als positives Wort zurückzugewinnen und bestärken ihre Bekannten und Freunde darin, dieses Pronomen für sie zu verwenden.
Manchen neutrois-Menschen ist es egal, welche Pronomen für sie benutzt werden, und manche akzeptieren mehrere verschiedene Pronomen für sich, zum Beispiel nur „sie“ und „es“, aber nicht „er“ – oder umgekehrt.
Es gibt also in der deutschen Sprache leider nicht das eine passende Pronomen für neutrois-Menschen, und die drei üblichen Pronomen sind alle aus verschiedenen Gründen nicht so richtig korrekt.

Du bist nicht sicher bist welches Pronomen du für eine bestimmte neutrois-Person verwenden sollt? Dann frag diese Person einfach! :)
Aber bitte frag nicht „Bist du ein es oder ein er?“, sondern besser „welches Pronomen soll ich benutzen, wenn ich über dich spreche?“.

Andere Wörter
Auch bei anderen Begriffen ist die deutsche Sprache leider sehr geschlechtsspezifisch. Statt von einer Frau oder einem Mann kann man zwar im Allgemeinen auch einfach von einer Person, einem Menschen oder von Leuten sprechen. Aber bei speziellen Wörtern wie „Freund“ oder „Partner“ wird es schon wieder schwierig, denn daraus lassen sich auch nicht so einfach geschlechtsneutrale Wörter machen wie zB bei „Student/in -> Studierende“.

Die sogenannt geschlechtergerechte Sprache wird meistens auch nur binären Geschlechtern gerecht. Bei „Studenten und Studentinnen“ oder „Student_innen“ oder „StudentInnen“ fühle ich mich jedenfalls eher ausgeschlossen als mitgemeint. An generische Maskulina oder Feminina (man sagt zB „Studentinnen“ und meint damit Studierende jeden Geschlechts) hingegen kann ich mich eher gewöhnen – auch weil sie im Alltag einfacher praktischer sind.

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