Geschlecht in anderen Kulturen

Diese Webseite befasst sich hauptsächlich mit Geschlecht in der „westlichen Welt“. Das umfasst ungefähr Westeuropa und die USA, deren Kulturen sich in dieser Hinsicht sehr ähnlich sind. In anderen Kulturen gibt es jedoch ganz verschiedene Auffassungen von Geschlecht und darum oft auch mehr als nur zwei Geschlechterkategorien.

Ich werde jeweils versuchen, diese fremden Konzepte mit westlichen Wörtern (zB homosexuell oder trans*) ein bisschen greifbarer zu machen. Das bedeutet aber nicht, dass es sich hier einfach um Übersetzungen handelt! Die aufgezählten Konzepte sind in ihren Kulturen tief verankert und über Jahrhunderte gewachsen, sie sind den westlichen Konzepten meistens nur am Rande ein bisschen ähnlich.

Indien & Pakistan
In Indien und Pakistan gibt es drei Geschlechter: Männer, Frauen und Hijras.
Die Gruppe der Hijra besteht vor allem aus Menschen, die wir hierzulande trans* nennen würden, aber auch Intersexuelle werden oft in diese Gemeinschaft aufgenommen.

Nordamerika
In den verschiedenen Indianerstämmen Nordamerikas gab es Two Spirits. Diese Menschen vereinigten die spirituelle männliche Seite und die spirituelle weibliche Seite in sich, und waren in ihrer Gesellschaft hoch angesehen.

Thailand
Thailand ist bekannt für Kathoey, auch Ladyboys genannt. Nach westlichen Begriffen handelt es sich dabei um feminine Schwule und trans*-Menschen. Anders als Hijra in Indien sind sie jedoch nicht als offizielles drittes Geschlecht anerkannt.

Arabien
Im arabischen Staat Oman ist Xanith der Begriff für feminine Schwule, trans*-Menschen und Intersexuelle. Arabische Schriften kennen ausserdem das Wort Mukhannathun, das sich auf Schwule und Trans*-Frauen zu beziehen scheint.

Indonesien
Auf der Insel Sulawesi in Indonesien gibt es fünf anerkannte Geschlechter. Neben Cis-Frauen und Cis-Männern gibt es Calabai (zugewiesenes Geschlecht männlich, soziales Geschlecht weiblich), Calalai (zugewiesenes Geschlecht weiblich, soziales Geschlecht männlich), und Bissu (trans*-Menschen und Intersexuelle).

Bolivien
Die Gesellschaft der Stadt Amarete in Bolivien kennt sogar zehn soziale Geschlechter. Dazu werden zwei biologische Geschlechter mit fünf symbolischen Geschlechtern kombiniert, woraus sich eine komplizierte soziale Hierarchie ergibt. Diese Geschlechterkategorien haben aber mit der westlichen Vorstellung von Geschlecht kaum mehr etwas zu tun.

Polynesien
Polynesien besteht aus vielen verschiedenen Inseln, bekannt sind hier zum Beispiel Samoa, die Cook-Inseln und der Staat Tonga. Fa’afafine oder Fakaleiti ist dort der Begriff für Menschen mit männlichem zugewiesenen Geschlecht und weiblichem sozialen Geschlecht. Zusätzlich kennt man Akava’ine (Trans*frauen) und Akata’ane (Trans*männer).

Hawaii
In Hawaii ist Mahu das Wort für Homosexuelle und trans*-Menschen.

Judentum
In jüdischen Schriften werden sechs Geschlechter unterschieden: Neben Cis-Männern und Cis-Frauen gibt es Androgynos (intersexuell), Ay’lonit (intersexuell: weibliches zugewiesenes Geschlecht aber männliche Pubertät), Saris (Trans*-Frau oder intersexuell: männliches zugewiesenes Geschlecht aber weibliche Pubertät) und Tumtum (unbekanntes oder nicht erkennbares Geschlecht).

Mexiko
Menschen mit männlichen zugewiesenen Geschlecht und weiblichem sozialen Geschlecht werden im Süden Mexikos Muxe genannt. Ursprünglich war die Variation der Pintadas (kleiden sich maskulin und tragen Makeup) häufiger, mittlerweile gibt es jedoch mehr Vestidas (kleiden sich feminin).

Philippinen
Auf den Philippinen gelten Baklaa (männliches zugewiesenes Geschlecht und weibliches soziales Geschlecht) als drittes Geschlecht. Manchmal werden Tomboys (die philippinische Bezeichnung für Lesben) als viertes genannt.

Australien, Neuseeland, Indien, Pakistan, Nepal
In diesen Staaten ist es aktuell möglich, im Ausweis einen neutralen Geschlechtseintrag zu haben. Ab November 2013 soll dies auch in Deutschland möglich sein.

England
Im Vereinigten Königreich kann man im Ausweis eine geschlechtsneutrale Anrede beantragen. Das Geschlecht ist dann zwar noch immer binär, aber man wird nicht mit Mr. Bond oder Ms. Bond angesprochen, sondern mit Mx. Bond.

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