Schön

Wisst ihr wie unglaublich befreiend und angenehm es sein kann, an einem Event teilzunehmen wo nur andere nichtbinäre Menschen sind?

Die ganzen Schutzschilde die ich sonst auf habe, die ganzen Hemmungen und die Befürchtung dass ich mich gleich werde erklären oder rechtfertigen müssen, dass ich mich verstecken muss und nicht vollständig ICH sein kann – das ist alles einfach nicht nötig.

Es war so schön und entspannend.

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männlich, weiblich, anderes

Leider begegnet mir ganz oft in Texten, Umfragen und Anzeigen die Aufzählung „weiblich, männlich, trans“.

Meistens ist das gut gemeint. Es werden damit nämlich zwei Dinge versucht, die eigentlich sehr positiv und begrüssenswert wären:
1. Es soll darauf hinweisen, dass trans Menschen existieren. Das Thema soll nicht verschwiegen, sondern sichtbar gemacht werden.
2. Es soll zeigen, dass es neben männlich und weiblich noch andere Geschlechter gibt. Diese Menschen sollen sichtbar gemacht werden.

Hier ein paar Beispiele, die mir so und ähnlich im Alltag begegnen:

„Nicht alle Leute in diesem Club sind Männer. Es gibt auch Frauen und trans Menschen.“

„Bitte gib dein Geschlecht an (nur eines ankreuzen):
[] männlich
[] weiblich
[] trans“

„Ich fühle mich vor allem zu Frauen sexuell hingezogen, kann mir aber auch etwas mit Männern und trans Personen vorstellen.“

„Frauen, Männer, Transmenschen – alle sind davon betroffen.“

„Es ist mir egal wer meine Urlaubsvertretung macht, ob die Person männlich, weiblich oder trans ist macht mir keinen Unterschied.“

Allerdings erreicht die Aufzählung in dieser Form leider genau das Gegenteil vom Gewünschten, denn sie ist aus mehreren Gründen falsch und verletzend.

Viele Leute scheinen „trans“ für ein Wort zu halten, das „ein anderes Geschlecht als weiblich oder männlich“ bedeutet. Tatsächlich bedeutet es aber „ein anderes Geschlecht als bei der Geburt zugewiesen wurde„.

Eine trans Frau ist also einfach eine Frau, der bei der Geburt nicht das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde. Das Gegenteil davon, eine cis Frau, ist eine Frau der schon bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde. Beide sind Frauen. Genau gleich funktioniert es bei Männern, es gibt trans Männer und cis Männer. Wenn du also „Männer“ sagst, sind damit trans Männer und cis Männer gemeint.

Die Aufzählung „Männer, Frauen und trans Menschen“ tut aber so, als könnten trans Menschen nicht auch Männer und Frauen sein. Und leider passiert es in unserer Gesellschaft häufig, dass trans Frauen und trans Männer nicht als „richtige Frauen“ und „richtige Männer“ angesehen werden. Das ist ziemlich verletzend.

Deswegen ist die Aufzählung „weiblich, männlich, trans“ im besten Fall unsinnig, und im schlimmsten Fall verletzend für trans Menschen.

Und was ist jetzt mit Menschen, die weder männlich noch weiblich sind? Die gibt es, du liest ja gerade den Blog von so einer Person :)

Im deutschsprachigen Raum bezeichnen sich viele dieser Menschen als nichtbinär, nonbinär, nonbinary oder enby.
Es wäre also möglich, stattdessen einfach „Männer, Frauen und Enbys“ zu sagen. Oder „egal ob die Person weiblich, männlich oder nonbinär ist“.

Manche agender und genderfluiden Personen fühlen sich von diesem Oberbegriff mitgemeint, manche aber nicht.
Eine Formulierung, die sie ebenfalls miteinbezieht, könnte lauten: „Sehr geehrte Damen, Herren und andere“. Oder einfach „Sehr geehrte Anwesende“ oder „sehr geehrte Gäste“.

Manche Menschen definieren sich als völlig geschlechtslos und benutzen für sich keine geschlechtlich assoziierten Labels – also auch nicht „agender“.
Statt „für Menschen aller Geschlechter“ liesse sich sagen „für alle Menschen – unabhängig von Geschlecht“.

Wenn es um intimere Dinge geht, können wir zum Beispiel sagen „ich hätte gern mal Sex mit einer Person mit Penis“. Oder „ich fühle mich zu femininen Menschen hingezogen“. Damit verhindern wir auch, dass Geschlecht mit Körperteilen oder Aussehen verwechselt wird!

Auch in der Werbung und Beratung lassen sich viele Dinge ganz einfach inklusiver formulieren.
Eine Empfehlung wie „für Mamas und Papas“ lässt sich zum Beispiel kürzen zu „für Eltern“. Ähnlich bei Spielzeug – warum „für Mädchen und Jungen“, wenn auch schlicht „für Kinder“ geht?
Da braucht es keine mühsame Suche nach einer dritten Option, die möglichst wenige Menschen ausschliesst.

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Offizieller nichtbinärer Geschlechtseintrag

Die Neuigkeit gleich vorneweg:
Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass in Deutschland ein 3. Geschlechtseintrag geschaffen werden muss!

Und jetzt der Reihe nach, wie es dazu kam:

Bis vor vier Jahren gab es in Deutschland für amtliche Dokumente nur die 2 Geschlechts-Optionen „männlich“ und „weiblich“. Mit Hilfe des Transsexuellengesetzes war es auf sehr mühsame Art möglich, von einem zum anderen zu wechseln.

In mehreren anderen Ländern gibt es schon länger die Option, in amtlichen Dokumenten einen dritten Geschlechtseintrag statt weiblich oder männlich zu haben. Teils geht das nur unter obskuren Umständen, oder nur für bestimmte Situationen oder Personen. Konkrete Beispiele dafür sind Australien, Neuseeland, Indien, manche Staaten der USA, Nepal und Bangladesch.
Auf internationaler Ebene gibt es also schon länger 3 Optionen, nämlich F, M und X.

Im November 2013 kam in Deutschland eine neue Art von Geschlechtseintrag hinzu, nämlich, das Feld einfach leer zu lassen, statt „w“ oder „m“ hineinzuschreiben.
Diese Möglichkeit konnte aber nicht selbst gewählt werden, sondern wurde intergeschlechtlichen Neugeborenen aufgezwungen.

Kleiner Exkurs: Intergeschlechtlich (auch „intersex“ oder „zwischengeschlechtlich“) bedeutet, dass der Körper einer Person auf angeborene Weise nicht ins medizinische 2-Geschlechter-System passt. Viele intergeschlechtliche Menschen identifizieren sich aber klar als Mann oder als Frau, während manche nichtbinär sind.

Dieses neue Gesetz wurde von Betroffenenverbänden und vom Deutschen Ethikrat aufs schärfste kritisiert. Denn statt zu helfen, sorgt dieses Gesetz für Zwangs-Outings, für mehr Stigma, für mehr unnötige und aufgezwungene chirurgische Eingriffe an kleinen Kindern, und wahrscheinlich auch für mehr Spät-Abtreibungen. Hier ist ein Link zu dieser Kritik. Zudem sind viele Gesetze (Heirat, Familie, etc) und Institutionen (öffentliche Toiletten, Schulen, Gefängnisse, etc) nicht darauf ausgelegt, dass es geschlechtslose Menschen gibt. Diese wurden allerdings nicht angepasst.

Im Juli 2014 reichte Vanja zusammen mit dem Team von dritte-Option.de offiziell den Antrag auf einen *echten* 3. Geschlechtseintrag ein. Dieser Eintrag soll „inter*/divers“ lauten. Dieser Antrag wurde über die Jahre von mehreren Instanzen abgelehnt. Ich hatte hier schon mal über eines dieser Urteile geschrieben.

Anfang 2015 entschied das Oberlandesgericht Celle, dass es keinen echten 3. Geschlechtseintrag braucht, weil es ja schon möglich ist, den Geschlechtseintrag leer zu lassen. Das müsse für Menschen, die weder weiblich noch männlich sind, genügen.

Daraus liess sich aber schliessen, dass auch Menschen die NICHT intergeschlechtlich sind, diesen leeren Geschlechtseintrag bekommen können.
2017 wurde bekannt, dass das auch tatsächlich geht. Eine trans Person, die den Geschlechtseintrag zunächst zwischen weiblich und männlich hatte ändern lassen weil damals noch nichts anderes ging, klagte auf die Streichung des Geschlechtseintrags und bekam recht. Das Gericht urteilte nach einigem Hin und Her, es ginge schliesslich um die Identität der Person, nicht um irgendwelche körperlichen Merkmale. Die Identität dieser Person sei offenbar weder männlich noch weiblich, und die einzige rechtliche Option dafür sei eben die Streichung bzw leer lassen des Geschlechtseintrags.

Das war für mich schon sehr grossartig. Ich habe ja keine Deutsche Staatsbürgerschaft, aber unter bestimmten Umständen wäre es für mich trotzdem möglich, den Geschlechtseintrag nach Deutschen Gesetzen ändern zu lassen. Das war.. wow.
Der Gedanke, dass in meinen Ausweisen tatsächlich einmal kein falsches Geschlecht mehr stehen könnte. Dass ich endlich auch offiziell staatlich anerkannt weder männlich noch weiblich sein könnte. So ein riesiger Gedanke. Mut machend, ein bisschen gruselig, und so unglaublich toll.
Der Weg, den Geschlechtseintrag zu ändern, ist ja leider furchtbar kompliziert und erniedrigend. Es braucht psychiatrische Gutachten, Gerichtsbeschlüsse, es ist teuer und kostet Zeit und Nerven, man wird von Fremden beurteilt und muss sich offenlegen, und wenn man nicht genug Stereotypen entspricht, oder etwas falsches sagt, dann ist alles umsonst.
Aber durch dieses Urteil wurde das für mich plötzlich zu einer Option. Mich da durchzukämpfen, trotz allem. Weil die Lösung endlich realistisch erreichbar war.

Und jetzt kommt es noch besser:
Das Bundesverfassungsgericht gibt der Klage von 3.Option recht!

Laut Bundesverfassungsgericht verstösst es gegen das Persönlichkeitsrecht und das Diskriminierungsverbot, dass nichtbinäre Menschen sich mit einem leeren Geschlechtseintrag zufrieden geben sollen. Stattdessen muss ein tatsächlicher 3. Eintrag geschaffen werden.

Hier ist ein Link zur Pressemitteilung vom Gericht. Darin wird stark betont, dass es um Identität geht, nicht unbedingt um körperliche Merkmale. Ich hoffe deswegen sehr, dass dieser 3. Eintrag dann auch wirklich allen Menschen offen steht, die ihn wollen – und nicht Leuten aufgezwungen oder vorbehalten wird, die ihn einer medizinischen Diagnose nach haben sollten.

Bis Dezember 2018 soll der neue Geschlechtseintrag und das ganze Drumherum ausgearbeitet werden. Ich hoffe sehr, dass das klappt und gut wird. Das ganze Urteil findet ihr auf der Webseite von 3.Option.

So oder so: Das ist ein riesiger Erfolg für nichtbinäre Menschen in Deutschland, ob jetzt intergeschlechtlich oder nicht.

Vielen vielen Dank an Vanja und alle von 3.Option, dass ihr das durchgekämpft habt! DANKE!

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LOU – Kreuz und Queer

Ein kurzes Video-Fundstück über eine nichtbinäre Person in der Schweiz.
(Es gibt Untertitel!)

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NB-Statistik

Es gibt ja leider wenig Zahlen darüber, wie viele Menschen nichtbinär sind, wie wir so leben und was wir für Bedürfnisse und Meinungen haben. Wie viele andere nichtbinäre Menschen habe ich auch viel Skepsis gegenüber Statistiken – nicht nur, weil in ihnen meist kein Platz für mich ist (denn die meisten Statistiken interessieren sich nur für binäre Geschlechter), sondern auch weil Kategorien und Ankreuz-Kästchen wenig Raum für Flexibilität und Individualität lassen.

Trotzdem machen mir Statistiken über nichtbinäre Menschen Mut. Weil sie zeigen, dass ich nicht alleine bin. Dass wir viele sind. Und dass wir alle einzigartig und wichtig sind.

Jedes Jahr macht „Nonbinary Stats“ eine Umfrage für nichtbinäre Menschen. Es geht darin um Labels, um Pronomen und um andere sprachliche Dinge. Zwei Fragen sind obligatorisch, nämlich ob du in UK lebst, und wie alt du bist. Die restlichen Fragen können übersprungen werden.

Hier geht’s zur Umfrage: http://www.smartsurvey.co.uk/s/NBGQ2017/

Die Umfrage ist auf Englisch. Das macht die Frage nach Pronomen und Anredewörtern für deutschsprachige Menschen leider etwas seltsam.

Aber vielleicht mögt ihr sie ja trotzdem ausfüllen und weiterverbreiten.

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Dritte Option, Kommentar zum Gerichtsurteil

Mit Hilfe der Kampagne „dritte Option“ versucht Vanja, für sich vor Gericht einen 3. Geschlechtseintrag statt „weiblich“ und „männlich“ zu ersteiten – nämlich den Eintrag „inter/divers“.
In der Kampagne geht es vornehmlich um intergeschlechtliche Menschen. Aber natürlich ist so eine dritte Option für mich auch als nichtbinäre Person interessant.

Mehrere Instanzen haben diesen Antrag bereits abgelehnt, jetzt auch der Bundesgerichtshof (BGH). Das Gerichtsurteil wurde in zensierter Form auf der Webseite der Kampagne zur Verfügung gestellt (PDF). Das Hauptargument des BGH ist, dass ja bereits die Möglichkeit besteht, den Geschlechtseintrag einfach leer zu lassen bzw. zu löschen. Das müsse genügen.

Als die Kampagne 2014 gestartet wurde, war das aber noch nicht möglich. Es ist überhaupt erst seit 2013 möglich, bei Neugeborenen in bestimmten Fällen den Geschlechtseintrag einfach leer zu lassen. Dieses Leerlassen-Gesetz ist furchtbar undurchdacht (Link zu Kritik bei zwischengeschlecht.info) und lässt betroffene Personen einfach geschlechtslos – ohne dass die Gesetze daran angepasst wurden, dass jetzt rechtlich geschlechtslose Menschen existieren.

Durch das Gerichtsurteil von 2015 auf den Antrag von „dritte Option“ ist es jetzt möglich, den Geschlechtseintrag auch nachträglich, also als erwachsene Person, löschen zu lassen. Es ist aber unklar, welche Kriterien dafür erfüllt sein müssen, und wie das funktioniert. Alle Ämter, die ich bisher dazu befragt habe, wussten davon nichts.

Für die Kampagne von „dritte Option“ war dieses Urteil nicht befriedigend. Es geht schliesslich um eine dritte Option, nicht um ein Leerlassen. Die Klage wurde also an den Bundesgerichtshof weitergezogen, um dessen ablehnendes Urteil es jetzt hier geht.

Ich finde viele (ok, die meisten) Argumente in diesem Urteil sehr seltsam und nicht stichhaltig. Deswegen möchte ich sie hier kurz Punkt für Punkt durchgehen. Ich fasse die Argumente des Bundesgerichtshofes in meinen eigenen Worten zusammen, weil exakte Zitate zu verwirrend wären. Die Original-Aussagen können hier im zensierten Urteil (PDF) nachgelesen werden.

Der Geschlechtseintrag dieser Person kann nicht zu „inter/divers“ geändert werden, …

1. (Seite 4): .. weil eine Eintragung ins Geburtenregister als „inter“ bzw. „divers“ nach geltendem Recht nicht möglich ist.

Ja natürlich, genau deswegen wurde der Antrag ja gestellt. Ziel ist es, dass das geändert wird, und ein solcher Eintrag in Zukunft möglich ist.

2. (Seite 5): ..weil Geschlechtseinträge für das Familienrecht wichtig sind, und das Familienrecht aber von einem binären Geschlechtersystem ausgeht.

Ja, natürlich tut es das – JEDES deutsche Gesetz, das irgendwie mit Geschlecht zu tun hat, geht aktuell von einem binären System aus. Und genau das müsste eben angepasst werden. Tatsächlich ist das Familienrecht auch jetzt schon nicht mehr aktuell und bräuchte dringend Änderungen.

3. (Seite 6): ..weil das Gleichbehandlungsgesetz zwar auch „zwischengeschlechtliche Menschen“ vor Benachteiligung schützen soll, aber ohne ein „neues Geschlecht“ zu erschaffen.

Das funktioniert so nicht. Solange es Gesetze gibt, die sich auf Geschlecht berufen, und „Geschlecht“ nur weiblich oder männlich sein kann, sind Menschen, die aus diesem System rausfallen, nicht geschützt. Siehe oben, im Familienrecht z.B. gibt es sie gar nicht. Wie soll ich mich zum Beispiel bei einer Diskriminierungsklage auf mein nichtbinäres Geschlecht berufen können, wenn nichtbinäre Geschlechter rechtlich gar nicht existieren?

4. (Seite 6): ..weil es für Leute mit einem 3. Geschlecht keine Regelungen zur Abstammung und zur Partnerschaft gibt.

Die gibt es auch für Leute ohne Geschlechtseintrag nicht.
Eine eingetragene Lebenspartnerschaft geht zum Beispiel nur für „zwei Personen gleichen Geschlechts“. Eine Ehe kann hingegen nur zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen werden. Können rechtlich geschlechtslose Personen also weder heiraten noch eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen? Oder nur eine eingetragene Lebenspartnerschaft mit einer anderen rechtlich geschlechtslosen Person eingehen?
Das gilt also also nicht als Argument gegen einen 3. Geschlechtseintrag, sondern ist vielmehr ein Hinweis darauf, dass die Regelungen zu Abstammung und Partnerschaft dringend überarbeitet werden müssen.

5. (Seite 6 und 7): ..weil der Gesetzgeber jetzt nicht kurzfristig eine Lösung finden könne, dafür brauche es umfassende Anhörungen von Betroffenen und Sachverständigen.

Tatsächlich ist das bereits passiert. Die Stellungnahme zur Situation intersexueller Menschen 2012 des Deutschen Ethikrates war nämlich genau das. Und danach wurde innerhalb ca eines Jahres das Leerlassen-Gesetz von 2013 aus dem Boden gestampft, das von den meisten Betroffenenverbänden als undurchdacht, schädlich und nicht im Sinn der Betroffenen kritisiert wurde.
Das Problem ist also schon einige Zeit bekannt, da ist überhaupt nichts „kurzfristig“, und offenbar war „kurzfristig“ bisher auch kein Hindernis.
Ich begrüsse natürlich den Plan, so eine Neuregelung gut zu durchdenken, und Betroffene und Sachverständige miteinzubinden. Wenn das denn passieren würde. Stattdessen wird eben behauptet, das Leerlassen-Gesetz würde genügen. Und das tut es nicht.

6. (Seite 7 und 8): ..weil Intersexuelle jetzt, da der Geschlechtseintrag nachträglich gelöscht werden kann, nicht mehr in ihren Grundrechten verletzt werden.

Also, zunächst mal ist nicht klar, unter welchen Bedingungen der geändert wird. Diese Bedingungen können durchaus Grundrechte verletzen.
Ausserdem gelten wie gesagt einige bestehende Gesetze nur für Personen, die ein Geschlecht haben, da werden rechtlich geschlechtslose Personen also sehr wohl noch in ihren Grundrechten verletzt.

7. (Seite 8): ..weil ja nur vereinzelt die Meinung vertreten wird, dass der Geschlechtseintrag nicht nachträglich gelöscht werden kann.

DASS diese Meinung überhaupt vertreten wird, zeigt aber, dass es keine Regelung dazu gibt. Bisher ist dieses eine Gerichtsurteil der einzige Hinweis darauf, dass es möglich ist, und der sagt nicht, welche Bedingungen es gibt. Im Bürgeramt wurde mir sogar gezeigt, dass es im System nicht möglich ist, „leer“ anzuklicken, bei einer Person die vor 2013 geboren wurde. Diese „vereinzelten Meinungen“ sind also leider aktuell noch die Norm.

8. (Seite 8): ..weil es im Familienrecht keine Regelungen für Menschen mit dem Geschlecht „inter/divers“ gibt. Dieser Geschlechtseintrag hätte also keinen verfassungsrechtlich bedeutsamen Vorteil gegenüber dem Leerlassen des Eintrags.

Ich verstehe nicht, wie das ein Argument sein soll.
NATÜRLICH bezieht sich das Familienrecht nicht auf ein „inter/divers“-Geschlecht, weil es ja eben davon ausgeht, dass Geschlecht nur binär ist. Das ist wie zu sagen „in diesem Lexikon über Reptilien kommt das neuentdeckte Burgunderkrokodil nicht vor, also existiert das Burgunderkrokodil nicht“. Das Burgunderkrokodil sowie intergeschlechtliche und nichtbinäre Menschen gab es selbstverständlich vorher schon, aber das Gesetz und das Lexikon haben sie eben nicht berücksichtigt. Der Antrag ist dazu da, das zu ändern.
Und es geht doch gar nicht darum, ob der Eintrag „inter/divers“ in punkto Familienrecht einen Vorteil bringt gegenüber dem leeren Geschlechtseintrag. Tatsächlich werden aktuell einfach beide nicht berücksichtigt.
Für die betroffene Person macht es aber persönlich einen Unterschied. Rechtlich geschlechtslos zu sein ist einfach nicht das gleiche wie rechtlich das korrekte Geschlecht zu haben.

9. (Seite 9): ..und das Familienrecht muss nicht geändert werden, weil es der antragstellenden Person ja nicht um die Abstammung oder eine Partnerschaft geht, sondern nur um den Geschlechtseintrag.

Ich verstehe das als: „Bevor rechtlich geschlechtslose Menschen vor Gericht gehen, weil sie rechtliche Probleme mit Abstammung und Partnerschaft haben, wird sich im Familienrecht nichts ändern. Und erst wenn das Familienrecht Menschen mit dem Geschlechtseintrag inter/divers anerkennt, erst dann können wir den Geschlechtseintrag inter/divers anerkennen.“
Das ist doch alles falsch herum?

10. (Seite 9): ..denn laut Transsexuellengesetz (TSG) gebietet es die Menschenwürde zwar, die selbstbestimmte geschlechtliche Identität einer Personen anzuerkennen, aber die Regelungen des TSG gelten hier nicht, denn Transsexuelle sind immer binärgeschlechtlich und Intersexuelle nie.

Dieser Abschnitt ist für mich der furchtbarste am ganzen Urteil.
Zuerst die groben Schnitzer: Selbstverständlich sind trans Menschen nicht alle binär. Hier, ich bin eine nichtbinäre trans Person. Und nur weil das TSG, also das Gesetz, nichtbinäre Menschen nicht berücksichtigt, heisst das nicht, dass Transsexualität sich auf binäre Geschlechter beschränkt. (Das ist wieder das Lexikon-Burgunderkrokodil-Problem von vorhin). Und selbstverständlich sind nicht alle inter Personen nichtbinär. Viele inter Menschen sind Männer und Frauen, einige nutzen sogar das TSG zur Änderung des Geschlechtseintrages.

Was für mich aber ganz subtil schlimm ist an diesem Abschnitt: Es behauptet, die Rechtslage solle so sein, dass die Intimsphäre von trans Personen nicht blossgestellt wird, und dass die Änderung des Geschlechtseintrages nicht von unzumutbaren Voraussetzungen abhängig ist. Dabei wird ein Urteil von 2011 als Quelle angegeben. Vor diesem Urteil war die Regel, dass der Geschlechtseintrag nur dann geändert wird, wenn die Person sich chirurgisch unfruchtbar machen lässt. Diese unzumutbare Voraussetzung gilt also gerade mal seit 5 Jahren nicht mehr.
Was immer noch gilt: Für die Änderung des Geschlechtseintrages müssen mindestens 3 Fachleute überzeugt werden. Fachleute, die oft sehr rückständige Vorstellungen von Geschlecht haben. Fachleute, die peinliche, Intimsphäre verletzenden Fragen zu Sexualität stellen. Fachleute, die einen Haufen Geld kosten und am Schluss einfach „nein“ sagen können. Seit 2012 besteht offiziell die Forderung, diese Gutachtenpflicht abzuschaffen, weil sie unzumutbar ist. Aber sie besteht immer noch.
Deswegen klingt dieser Abschnitt für mich sehr zynisch.

Ausserdem wirkt die Begründung, als sei Menschenwürde nur für trans Menschen da. Es kann doch nicht sein, dass die selbstbestimmte geschlechtliche Identität von inter Menschen nicht anerkannt wird, nur weil sie sich nicht als „trans“ definieren?
Es wäre ja möglich, einfach das TSG so zu ändern, dass nichtbinäre Geschlechter berücksichtigt werden, und dass es egal ist, ob eine Person inter oder trans (oder beides) ist, wenn sie ihren Geschlechtseintrag ändern möchte.
Oder eben den Geschlechtseintrag abschaffen oder zu einem leeren Feld zu machen, in das jeder Mensch reinschreiben kann was er möchte.

11. (Seite 10): ..weil es die staatliche Ordnung durcheinanderbringen würde.

Ja, die „staatliche Ordnung“ der Zweigeschlechtlichkeit soll aufgebrochen werden. Das ist schon richtig so, das ist das Ziel des Antrags. Ausserdem kann doch die staatliche Ordnung nicht wichtiger sein als die Menschen in diesem Staat?

12. (Seite 10): ..weil Betroffene und Experten sich uneinig sind, was für Intersexuelle das Beste ist.

Aha, aber den Antrag einer EINZELNEN Person abzulehnen, das soll gut sein? Wohlbemerkt, es ist in Deutschland nicht möglich, das anders zu machen. So eine Änderung MUSS von einer Einzelperson oder von der Regierung kommen.
Ausserdem werden sich NIE alle Betroffenen einig sein. Das ist gar nicht möglich, dafür sind wir Menschen zu verschieden. Aber irgendwo muss mal angefangen werden.
Und diesem Antrag stattgeben würde es ganz bestimmt nicht schlimmer machen als das Leerlassen-Gesetz von 2013.

. . .

 

Nun, ich bin was Gerichtsurteile angeht ungefähr auf Laien-Niveau. Vielleicht würden einige der angesprochenen Punkte für eine Fachperson mehr Sinn ergeben, als sie es jetzt für mich taten. Und mir ist auch bewusst, dass der BGH natürlich nicht unglaublich viel Spielraum hat, was die Reaktion auf so einen Antrag angeht.

Aber als betroffene Person macht mich dieses Gerichtsurteil und die Argumente darin wütend. Ich persönlich wäre mit einer Löschung meines Geschlechtseintrages zufrieden. Ich könnte dann zwar immer noch nicht mein korrektes Geschlecht angeben, es wäre immer noch nicht richtig. Aber zumindest auch nicht mehr falsch.

Ich verstehe aber auch alle Leute, denen das nicht reicht.
Mit Vanjas Worten:

„Die aktuelle Lösung keinen Eintrag zu haben ist für mich eben nicht das selbe wie einen passenden Eintrag zu haben. Im Alltag, als Schutz vor Diskriminierung macht es einen Unterschied ob ich sagen kann ‘Ich bin ganz offiziell inter’ oder ob ich mich auf eine Leerstelle berufen muss.“

– Vanja, Pressemitteilung

Das Urteil hingegen klingt wie „das ist uns zuviel, diese Verantwortung wollen wir nicht, sei zufrieden mit dem Bisschen was du bekommen hast, und tu nicht so kompliziert.“
Und das lassen Vanja und die „dritte Option“-Kampagne nicht auf sich sitzen.

Danke dafür!

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Forderungskatalog von nichtbinären und genderqueeren Menschen

Was wünschen sich nichtbinäre und genderqueere Menschen?

Im Moment ist die rechtliche Situation von nichtbinären und genderqueeren Menschen ziemlich mies. Für binäre trans Menschen existieren meist irgendwelche Richtlinien und Gesetze. Aber die meisten Fachleute wissen nicht einmal, dass Menschen ausserhalb der zwei-Geschlechter-Norm überhaupt existieren.

In Deutschland regelt das TSG (Transsexuellengesetz), was trans Personen tun müssen um ihren amtlichen Geschlechtseintrag und ihren Vornamen ändern zu können. Es steht seit 1980 und ist hoffnungslos veraltet. In den letzten Jahren wurden schon mindestens 6 Mal einige Teile des Gesetzes als verfassungswidrig erkannt und dürfen nicht mehr angewendet werden.
Das komplette Gesetz findet sich unter diesem Link: http://www.gesetze-im-internet.de/tsg
Und unter diesem Link mit Kommentaren und Erklärungen: http://trans-nrw.de/transsexuellengesetz

In der Schweiz sind die Richtlinien von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Es gibt kein einheitliches Gesetz, darum ist ein Erfolg sehr stark von der Person am Gericht abhängig, die die Klage entgegennimmt. Welche Bedingungen üblicherweise verlangt werden, ändert sich mit jedem Gerichtsurteil ein bisschen.
Mehr dazu auf Transgender Network Switzerland: https://www.transgender-network.ch/information/rechtliches

Die Situation ist also auch für binäre trans Menschen nicht gerade ideal. Deswegen gibt es immer wieder Aufrufe zur Reform oder Neugestaltung des TSG, und Forderungskataloge von binären trans Menschen. Von nichtbinären Menschen fehlten solche gesammelten Wunschlisten bisher aber.

Im Mai 2016 trafen sich auf der inter*trans*Tagung in München über 40 nichtbinäre und genderqueere Menschen, und sammelten solche Wünsche und Forderungen. Diese Sammlung findet sich unter diesem Link als PDF: http://trans-recht.de/Politwerkstatt_Genderqueerer_Forderungskatalog_Teil-1.pdf

ACHTUNG: Dieses PDF ist KEINE fertig ausformulierte Erklärung mit der „alle“ einverstanden sind! Es ist lediglich eine Sammlung als Basis um irgendwo anfangen zu können. Die Liste darf also gerne ergänzt und verbessert werden – Kontaktdaten stehen im PDF.

Hier sind einige Items, die mir persönlich besonders wichtig sind (von mir formuliert und zusammengefasst):

  • Geschlechter-Vielfalt im Lehrplan (Kinder lernen dass es Männer und Frauen gibt, warum sollten sie nicht gleichzeitig erfahren dass es auch andere Menschen gibt? Nichtbinäre Menschen sollten nicht erst mit 20 oder 30 erfahren dass sie ok sind.)
  • Geschlechter-Vielfalt und entsprechende Diskriminierungsformen als Pflichtthema in bestimmten Studiengängen (zB Psychologie, Medizin)
  • dritte Option beim Geschlechtseintrag, oder Geschlechtseintrag abschaffen
  • Änderung des Geschlechtseintrages und des Vornamens ohne Gutachten und ohne Gerichtsurteil
  • offizielles drittes Pronomen einführen (hier gibt es Beispiele: http://de.nichtbinaer.wikia.com/wiki/Pronomen)
  • Mehr Geld für Beratung, Antidiskriminierungsarbeit und Forschung zu NB-Themen
  • geschlechtergerechte Sprache standardisieren und offiziell machen (zB mit gender_gap, mit Anrede als Name statt „Herr“/“Frau“, etc)
  • geschlechtsneutrale Einzel-Toiletten als neuer Standard (das bedeutet, wenn Gebäude neu gebaut werden, müssen mindestens so viele Einzelkabinen eingebaut werden, zusätzlich zu oder anstatt von geschlechtergetrennten Räumen mit mehreren Toiletten)
  • Peerberatung (Beratung von Betroffenen durch Betroffene) finanziell unterstützen
  • mehr (respektvolle) Repräsentation in den Medien (zB auch in der Werbung)
  • medizinische körperliche Selbstbestimmung
  • bedingungsunabhängiger Zugang zu medizinischen Massnahmen (aktuell passiert es oft, dass die Krankenkasse zB Mastektomie oder Epilation nur bezahlt wenn gleichzeitig Hormone genommen werden, oder dass sie bestimmte Operationen nicht bezahlt weil nur wenige Leute diese möchten, oder weil die Fachleute zu weit weg sind)
  • mehr Informationen darüber, dass Transition sehr individuell ist (manche brauchen Vornamensänderung, manche brauchen Hormone, manche brauchen OPs, manche brauchen begleitende Therapie, manche alles davon, manche nichts davon, usw)
  • Datenschutz: Geschlecht nur da erfassen wo es konkret relevant ist, und da NB-Optionen anbieten
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Warum wir über die Definition von „trans“ streiten

Im Gespräch mit trans Menschen fällt mir immer wieder auf, wie unterschiedlich wir „trans“ definieren. Manchmal ist das bereichernd, oft ist es frustrierend, meistens finde ich es erstaunlich und spannend.

Schlimm ist es aber, wenn diese Uneinigkeit von Aussenstehenden benutzt wird, um sich über uns trans Menschen lustig zu machen. „Die wissen ja selbst nicht was sie sind“, wird gesagt, und dass sie uns dann ja nicht ernst nehmen müssen.
Oder, ein bisschen netter formuliert, dass es schwierig sei, allen gerecht zu werden, dass ja langsam „niemand mehr weiss was man noch sagen darf“, und dass sie dann lieber gar nichts sagen und uns links liegen lassen.

Mich erstaunt das. Nicht, dass Ausflüchte gesucht werden, um sich nicht für uns einzusetzen. Aber dass Leute offenbar denken, wir müssten uns alle einig sein, bloss weil wir trans sind.

Selbstverständlich sind wir keine homogene Gruppe.
Wie könnten wir das auch sein?

Wie wir mit der Definition von „trans sein“ umgehen, hängt von so unglaublich vielen verschiedenen Faktoren ab.

Zum Beispiel davon, wie und wann wir unser Coming In hatten, also in welchem Alter und auf welche Art uns bewusst wurde, dass wir trans sind. Und ob das in den 70ern oder vor drei Jahren war. Es hängt auch davon ab, welche Informationen über trans Leute wir haben, wie in unserem Umfeld oder in Zeitungen und im Fernsehen über trans Personen gesprochen wird. Davon, was wir über Transitionsmöglichkeiten wissen, welche uns zur Verfügung stehen, an wen wir uns wenden müssen um beispielsweise Hormone oder eine Personenstandsänderung zu bekommen. Es hängt davon ab, wie transfeindlich oder transfreundlich unser Umfeld ist, und wie frei wir uns in Geschlechterrollen entfalten können. Davon, welche finanziellen, juristischen und medizinischen Möglichkeiten wir haben. Welche Vorbilder und Idole uns zur Verfügung stehen, an denen wir uns orientieren können. Und natürlich, welchen emotionalen Rückhalt wir haben, ob wir alleine sind oder uns jemand darin bestärkt, das Beste für uns zu finden. Es hängt auch davon ab, wie stark und unter welcher Art von →Dysphorie wir leiden. Und welche Arten von Mehrfachdiskriminierung (Rassismus, Ableismus, Klassismus, Sexismus, etc) noch dazukommen..

All diese Faktoren (und noch viel mehr!) beeinflussen, wie wir mit unserem trans sein und dem trans sein anderer Leute umgehen.

Sie beeinflussen, wie stark wir uns bedroht fühlen von körperbezogenen Definitionen, von „post gender“-basierten Definitionen, von Definitionen die auf sozialen Dingen, auf Identität, auf Transitionserfahrung, auf Gewalterfahrung, auf Messbarkeit fokussieren.

Und sie beeinflussen, wie wir mit trans Menschen umgehen, die (gefühlt) weniger „Probleme“ haben als wir, die weniger oder andere Kämpfe austragen müssen als wir, oder die ihre Art von trans sein anders leben als wir es kennengelernt haben. Die Dinge, die wir uns in unserem Leben am stärksten erkämpfen mussten, wollen wir oft am wenigsten „aufgeben“. Und etwas aus einer „allgemeingültigen“ Definition zu streichen fühlt sich nunmal oft nach aufgeben an. Danach, die eigenen Erfahrungen, die eigenen Kämpfe und errungenen Siege, die eigene Lebensrealität, das eigene Leiden herabzustufen.

Ausserdem sind Definitionen auch politische Positionen.
Sie beeinflussen, welche Rechte uns in Zukunft zur Verfügung stehen, welche Dinge von der Krankenkasse bezahlt werden, welche Kriterien die Gutachten-Schreibenden benutzen.
Es kann lebensgefährlich sein, eine bestimmte Definition von trans sein aufzugeben.

Trans sein ist keine Erfahrung die nach Schema F für alle gleich abläuft.
Wir kommen alle aus verschiedenen Richtungen, haben unterschiedliche Erfahrungen, unterschiedliche Ziele.

Manche wollen in Ruhe und unerkannt leben.
Manche wollen sich aktivistisch einsetzen.
Manche wollen das eine und sind gezwungen das andere zu tun.

Selbstverständlich haben all diese Leute unterschiedliche Definitionen und Herangehensweisen vom Thema trans.

Für viele von uns geht es schliesslich ums Überleben.
Und wir sind so oft sosehr gewohnt, dass wir täglich mit dem System und transfeindlich argumentierenden Leuten streiten müssen um überhaupt leben zu dürfen, dass wir automatisch unsere Position, unser Sein verteidigen. Gegen alle.
Wir sind es gewohnt, dass auch Menschen die uns helfen wollen, die Verbündete sein sollten, sich plötzlich als schädlich und respektlos herausstellen können.
Das ist manchmal ganz schön bitter, und erschwert es sehr, uns untereinander einig zu sein.

Und trotz aller Unterschiede: Wir haben Respekt verdient.
Wir haben verdient, dass uns weniger Steine in den Weg gelegt werden.

Machen wirs doch so:
Ich definiere was mein Geschlecht ist.
Du definierst was dein Geschlecht ist.
Und wir finden Lösungen, die uns beide nicht ausschliessen.

Danke.

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Workshop „Was ist Geschlecht?“

Im Herbst 2015 wurde ich über zwei Ecken angefragt, ein Seminar zum Thema Gendern mitzugestalten.

Gendern bedeutet, einen Text so zu formulieren, dass möglichst alle Menschen damit gemeint sind, unabhängig von ihrem Geschlecht. Das wird auch „geschlechtergerechte Sprache“ genannt. Eine häufige Lösung ist dabei das Binnen-i, dabei werden zwei Wörter (zum Beispiel „Studentinnen“ und „Studenten“) zusammengefasst und mit einem grossen i verbunden („StudentInnen“). Leider fallen da Leute wie ich raus, die sich von beiden Wörtern nicht gemeint fühlen.

Eine bessere Lösung ist deswegen der sogenannte Gender Gap (auf Deutsch etwa „Gender-Lücke“) und das Gendersternchen. Dann wird daraus „Student_innen“ oder „Student*innen“. Die Lücke und das Sternchen sollen darauf hinweisen, dass es eben mehr als zwei Geschlechter gibt, bzw. dass sich nicht alle Leute von dieser Zweiteilung mitgemeint fühlen. Beim Sprechen kann die Lücke einfach zu einer kurzen Pause gemacht werden, Ash nennt das hier sehr treffend „Genderpäuschen“ (im Audiofile ab Minute 4 wird es auch ausgesprochen). Eine dritte Lösung ist, von vornherein geschlechtsneutrale Wörter zu benutzen, zum Beispiel „Studierende“. Alle diese Varianten haben Vor- und Nachteile. Wichtig ist aber, überhaupt mal drüber nachzudenken was Sprache eigentlich so ausdrückt, und sich zumindest zu bemühen.

Viele Leute wissen aber nicht, warum es wichtig ist, Texte zu gendern. Viele sind sich gar nicht bewusst, was Geschlecht eigentlich ist, und dass es nicht nur zwei davon gibt. Und die meisten wissen auch gar nicht, welche Möglichkeiten es gibt, Sprache geschlechtergerecht zu machen. Wenn Universitäten und andere Organisationen eine bestimmte Art von geschlechtergerechter Sprache einführen, dann erklären sie das aber leider oft nicht dazu.

Das war auch der Hintergrund für dieses Seminar. Es wurde veranstaltet von einer Gruppe Jusos, die im Vorfeld darüber diskutiert hatten, ob und wie sie Texte gendern wollen. Sie hatten gemerkt, dass viele zwar damit einverstanden waren, geschlechtergerechte Sprache zu benutzen, aber eben nicht wussten warum das eigentlich eine gute Idee ist, und welche Varianten es überhaupt gibt.

Das Seminar sollte deswegen
1. aufzeigen, mit welchen Mitteln ein Text geschlechtergerecht gemacht werden kann und warum es nicht reicht, die „männliche“ Form zu benutzen und zu behaupten „alle anderen Geschlechter sind mitgemeint“,
und 2. sollten die Teilnehmenden verstehen was „Geschlecht“ in dieser Gesellschaft eigentlich bedeutet, und wie es Menschen geht, die nicht in das angebliche binäre Zweiersystem hineinpassen.

Für diesen zweiten Teil wurde erst N. angefragt, um aus ihrem Leben als genderqueere Person zu erzählen und einen Workshop aus dem Thema zu machen. N. fragte dann mich (Sasha, neutrois), ob ich Lust hätte ihr zu helfen und den Workshop mit ihr gemeinsam zu machen.

Wir haben nach diesem Workshop gemeinsam zusammengefasst und aufgeschrieben, wie der Workshop ablief, welche Themen angesprochen wurden, was uns speziell wichtig war und welche Reaktionen und Rückmeldungen von den Teilnehmenden kamen.

Dies ist unser Erfahrungsbericht:

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Glossar überarbeitet

Im Moment sind ja leider so einige Teile dieser Webseite überarbeitungsbedürftig. Manchmal liegt es an verwirrenden Formulierungen, manchmal habe ich Begriffe benutzt die ich heute nicht mehr vertretbar finde. Ausserdem habe ich in den letzten Jahren viele verschiedene Menschen kennengelernt, und gemerkt, dass gewisse Dinge, die ich mal für allgemeingültig hielt, nicht bei allen Leuten gleich funktionieren.

Ich bin immer dankbar für Hinweise auf solche überarbeitungsbedürftigen Stellen.
Aber es dauert leider auch immer einige Zeit, bis ich dazu komme, sie auch zu überarbeiten.

Heute habe ich mal das Glossar ergänzt und zurechtgemacht. Dort werden einige Begriffe kurz erklärt, die ich hier im Blog oft verwende, wie zum Beispiel „nichtbinär“, „cis“, „queer“ und ähnliche.

Das Glossar findet sich in der oberen Leiste des Blogs, im Menüpunkt „Themen“.

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