männlich, weiblich, anderes

Leider begegnet mir ganz oft in Texten, Umfragen und Anzeigen die Aufzählung „weiblich, männlich, trans“.

Meistens ist das gut gemeint. Es werden damit nämlich zwei Dinge versucht, die eigentlich sehr positiv und begrüssenswert wären:
1. Es soll darauf hinweisen, dass trans Menschen existieren. Das Thema soll nicht verschwiegen, sondern sichtbar gemacht werden.
2. Es soll zeigen, dass es neben männlich und weiblich noch andere Geschlechter gibt. Diese Menschen sollen sichtbar gemacht werden.

Hier ein paar Beispiele, die mir so und ähnlich im Alltag begegnen:

„Nicht alle Leute in diesem Club sind Männer. Es gibt auch Frauen und trans Menschen.“

„Bitte gib dein Geschlecht an (nur eines ankreuzen):
[] männlich
[] weiblich
[] trans“

„Ich fühle mich vor allem zu Frauen sexuell hingezogen, kann mir aber auch etwas mit Männern und trans Personen vorstellen.“

„Frauen, Männer, Transmenschen – alle sind davon betroffen.“

„Es ist mir egal wer meine Urlaubsvertretung macht, ob die Person männlich, weiblich oder trans ist macht mir keinen Unterschied.“

Allerdings erreicht die Aufzählung in dieser Form leider genau das Gegenteil vom Gewünschten, denn sie ist aus mehreren Gründen falsch und verletzend.

Viele Leute scheinen „trans“ für ein Wort zu halten, das „ein anderes Geschlecht als weiblich oder männlich“ bedeutet. Tatsächlich bedeutet es aber „ein anderes Geschlecht als bei der Geburt zugewiesen wurde„.

Eine trans Frau ist also einfach eine Frau, der bei der Geburt nicht das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde. Das Gegenteil davon, eine cis Frau, ist eine Frau der schon bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde. Beide sind Frauen. Genau gleich funktioniert es bei Männern, es gibt trans Männer und cis Männer. Wenn du also „Männer“ sagst, sind damit trans Männer und cis Männer gemeint.

Die Aufzählung „Männer, Frauen und trans Menschen“ tut aber so, als könnten trans Menschen nicht auch Männer und Frauen sein. Und leider passiert es in unserer Gesellschaft häufig, dass trans Frauen und trans Männer nicht als „richtige Frauen“ und „richtige Männer“ angesehen werden. Das ist ziemlich verletzend.

Deswegen ist die Aufzählung „weiblich, männlich, trans“ im besten Fall unsinnig, und im schlimmsten Fall verletzend für trans Menschen.

Und was ist jetzt mit Menschen, die weder männlich noch weiblich sind? Die gibt es, du liest ja gerade den Blog von so einer Person :)

Im deutschsprachigen Raum bezeichnen sich viele dieser Menschen als nichtbinär, nonbinär, nonbinary oder enby.
Es wäre also möglich, stattdessen einfach „Männer, Frauen und Enbys“ zu sagen. Oder „egal ob die Person weiblich, männlich oder nonbinär ist“.

Manche agender und genderfluiden Personen fühlen sich von diesem Oberbegriff mitgemeint, manche aber nicht.
Eine Formulierung, die sie ebenfalls miteinbezieht, könnte lauten: „Sehr geehrte Damen, Herren und andere“. Oder einfach „Sehr geehrte Anwesende“ oder „sehr geehrte Gäste“.

Manche Menschen definieren sich als völlig geschlechtslos und benutzen für sich keine geschlechtlich assoziierten Labels – also auch nicht „agender“.
Statt „für Menschen aller Geschlechter“ liesse sich sagen „für alle Menschen – unabhängig von Geschlecht“.

Wenn es um intimere Dinge geht, können wir zum Beispiel sagen „ich hätte gern mal Sex mit einer Person mit Penis“. Oder „ich fühle mich zu femininen Menschen hingezogen“. Damit verhindern wir auch, dass Geschlecht mit Körperteilen oder Aussehen verwechselt wird!

Auch in der Werbung und Beratung lassen sich viele Dinge ganz einfach inklusiver formulieren.
Eine Empfehlung wie „für Mamas und Papas“ lässt sich zum Beispiel kürzen zu „für Eltern“. Ähnlich bei Spielzeug – warum „für Mädchen und Jungen“, wenn auch schlicht „für Kinder“ geht?
Da braucht es keine mühsame Suche nach einer dritten Option, die möglichst wenige Menschen ausschliesst.

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