Forderungskatalog von nichtbinären und genderqueeren Menschen

Was wünschen sich nichtbinäre und genderqueere Menschen?

Im Moment ist die rechtliche Situation von nichtbinären und genderqueeren Menschen ziemlich mies. Für binäre trans Menschen existieren meist irgendwelche Richtlinien und Gesetze. Aber die meisten Fachleute wissen nicht einmal, dass Menschen ausserhalb der zwei-Geschlechter-Norm überhaupt existieren.

In Deutschland regelt das TSG (Transsexuellengesetz), was trans Personen tun müssen um ihren amtlichen Geschlechtseintrag und ihren Vornamen ändern zu können. Es steht seit 1980 und ist hoffnungslos veraltet. In den letzten Jahren wurden schon mindestens 6 Mal einige Teile des Gesetzes als verfassungswidrig erkannt und dürfen nicht mehr angewendet werden.
Das komplette Gesetz findet sich unter diesem Link: http://www.gesetze-im-internet.de/tsg
Und unter diesem Link mit Kommentaren und Erklärungen: http://trans-nrw.de/transsexuellengesetz

In der Schweiz sind die Richtlinien von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Es gibt kein einheitliches Gesetz, darum ist ein Erfolg sehr stark von der Person am Gericht abhängig, die die Klage entgegennimmt. Welche Bedingungen üblicherweise verlangt werden, ändert sich mit jedem Gerichtsurteil ein bisschen.
Mehr dazu auf Transgender Network Switzerland: https://www.transgender-network.ch/information/rechtliches

Die Situation ist also auch für binäre trans Menschen nicht gerade ideal. Deswegen gibt es immer wieder Aufrufe zur Reform oder Neugestaltung des TSG, und Forderungskataloge von binären trans Menschen. Von nichtbinären Menschen fehlten solche gesammelten Wunschlisten bisher aber.

Im Mai 2016 trafen sich auf der inter*trans*Tagung in München über 40 nichtbinäre und genderqueere Menschen, und sammelten solche Wünsche und Forderungen. Diese Sammlung findet sich unter diesem Link als PDF: http://trans-recht.de/Politwerkstatt_Genderqueerer_Forderungskatalog_Teil-1.pdf

ACHTUNG: Dieses PDF ist KEINE fertig ausformulierte Erklärung mit der „alle“ einverstanden sind! Es ist lediglich eine Sammlung als Basis um irgendwo anfangen zu können. Die Liste darf also gerne ergänzt und verbessert werden – Kontaktdaten stehen im PDF.

Hier sind einige Items, die mir persönlich besonders wichtig sind (von mir formuliert und zusammengefasst):

  • Geschlechter-Vielfalt im Lehrplan (Kinder lernen dass es Männer und Frauen gibt, warum sollten sie nicht gleichzeitig erfahren dass es auch andere Menschen gibt? Nichtbinäre Menschen sollten nicht erst mit 20 oder 30 erfahren dass sie ok sind.)
  • Geschlechter-Vielfalt und entsprechende Diskriminierungsformen als Pflichtthema in bestimmten Studiengängen (zB Psychologie, Medizin)
  • dritte Option beim Geschlechtseintrag, oder Geschlechtseintrag abschaffen
  • Änderung des Geschlechtseintrages und des Vornamens ohne Gutachten und ohne Gerichtsurteil
  • offizielles drittes Pronomen einführen (hier gibt es Beispiele: http://de.nichtbinaer.wikia.com/wiki/Pronomen)
  • Mehr Geld für Beratung, Antidiskriminierungsarbeit und Forschung zu NB-Themen
  • geschlechtergerechte Sprache standardisieren und offiziell machen (zB mit gender_gap, mit Anrede als Name statt „Herr“/“Frau“, etc)
  • geschlechtsneutrale Einzel-Toiletten als neuer Standard (das bedeutet, wenn Gebäude neu gebaut werden, müssen mindestens so viele Einzelkabinen eingebaut werden, zusätzlich zu oder anstatt von geschlechtergetrennten Räumen mit mehreren Toiletten)
  • Peerberatung (Beratung von Betroffenen durch Betroffene) finanziell unterstützen
  • mehr (respektvolle) Repräsentation in den Medien (zB auch in der Werbung)
  • medizinische körperliche Selbstbestimmung
  • bedingungsunabhängiger Zugang zu medizinischen Massnahmen (aktuell passiert es oft, dass die Krankenkasse zB Mastektomie oder Epilation nur bezahlt wenn gleichzeitig Hormone genommen werden, oder dass sie bestimmte Operationen nicht bezahlt weil nur wenige Leute diese möchten, oder weil die Fachleute zu weit weg sind)
  • mehr Informationen darüber, dass Transition sehr individuell ist (manche brauchen Vornamensänderung, manche brauchen Hormone, manche brauchen OPs, manche brauchen begleitende Therapie, manche alles davon, manche nichts davon, usw)
  • Datenschutz: Geschlecht nur da erfassen wo es konkret relevant ist, und da NB-Optionen anbieten
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