Trans Day of Visibility

Heute, am 31. März, ist internationaler Trans Day of Visibility.

Dieser englische Ausdruck ist etwas schwierig zu übersetzen, er bedeutet ungefähr „internationaler Tag zur Sichtbarkeit von trans Personen“. Dieser Tag ist dazu da, um speziell darauf hinzuweisen, dass trans Menschen existieren.

Viele trans Menschen posten an diesem Tag Fotos von sich. Um eben ihr trans sein in Bildern sichtbar zu machen. Um zu zeigen „schau, wir sind da, wir sind einfach nur Menschen“. Manche wählen sogar extra diesen symbolischen Tag, um sich beispielsweise bei ihren Eltern, in der Schule oder am Arbeitsplatz zu outen.

Der Trans Day of Visibility ist aber auch der Tag um darauf hinzuweisen, dass sichtbar sein für viele trans Menschen gefährlich ist. Für viele von uns wäre es gefährlich, zum Teil lebensgefährlich, ein Foto von sich zu veröffentlichen und sich als trans zu outen. Wie sich schon nur die Blicke im Bus anfühlen, das hat Frau Papa in ihrem Blogpost „Morgens in der Öffentlichkeit…“ anschaulich beschrieben.

Viele von uns trauen sich deswegen auch am Trans Day of Visibility nicht, persönlich sichtbar zu sein.
Was aber auf jeden Fall sichtbar gemacht werden sollte, ist, wie schwer trans Menschen das Leben in dieser Gesellschaft gemacht wird.

Als ich bespielsweise meine Krankenkasse fragte, wie sie mit trans Menschen umgeht, bekam ich im besten Fall ein „oh, das habe ich mir noch gar nie überlegt“ zur Antwort. Und da ging’s um ganz banale Fragen, für die die Krankenkasse definitiv zuständig sein müsste, zum Beispiel „bezahlt ihr einer trans Frau die Prostatakrebs-Vorsorge?“
Denn laut Krankenkassen-Richtlinien steht so eine Untersuchung nur Männern zu. Es konnten mir aber mehrere beratende Personen von verschiedenen Krankenkassen nicht erklären, wie die Kostenübernahme funktioniert wenn eine Person Körperteile hat die laut Richtlinien nicht vorgesehen sind (eben beispielsweise Prostata bei Frauen).

Damit bei einer trans Person das korrekte Geschlecht im Ausweis steht, muss sie mindestens 3 unabhängigen Fachpersonen beweisen (zum Teil über mehrere Jahre), dass sie tatsächlich trans ist. Und das sind oft Personen, die noch in einem Weltbild gefangen sind, in dem Frauen keine Hosen tragen, sondern nur Röcke, und immer lange Haare haben. Es kann also durchaus sein, dass eine trans Frau als „nicht feminin genug“ eingestuft wird und das benötigte Gutachten nicht bekommt, wenn sie zum Termin in Hose und mit kurzen Haaren erscheint.

Viele trans Personen wissen schon als Kind, dass sie trans sind. Aber wem können sie sich anvertrauen? Wo können sie Hilfe bekommen?

Vor allem junge trans Menschen haben oft keinen Zugang zu Informationen und Hilfsmitteln. Viele junge trans Menschen wissen zum Beispiel nicht, dass es gesundheitsschädigend ist, sich die Brust mit Verband abzubinden. Es gibt dafür extra Binder, die eine flache Brust machen ohne das Gewebe zu schädigen oder die Atmung einzuschränken. Aber diese Binder sind teuer und fast nur online zu kaufen. Ausserdem muss die Grösse sehr genau passen, was bei Läden ausserhalb von Europa zu riesigen Lieferkosten führt, weil anprobiert und umgetauscht werden muss. Für junge trans Menschen sind solche Hilfsmittel daher oft unerreichbar. Das Bedürfnis, eine flache Brust zu haben, ist aber bei vielen trotzdem da, also behelfen sie sich irgendwie. Zum Teil mit fatalen Folgen.

Es gibt die medizinische Möglichkeit, die „falsche“ Pubertät einer trans Person zu pausieren, wenn sie noch jung ist. Die sogenannten „Pubertätsblocker“ sind Medikamente, die die körperlichen Veränderungen für einige Zeit aufhalten. So hat die Person Zeit um sich in Ruhe zu überlegen was das Richtige für sie ist, bevor Veränderungen passieren die nur schwer wieder rückgängig gemacht werden könnten.
Aber viele trans Kinder wissen nicht, dass diese Möglichkeit existiert. Sie müssen hilflos zusehen wie sich ihr Körper in eine Richtung verändert, die nicht ihrer Identität entspricht. Um die Pubertätsblocker zu bekommen, müssen ausserdem ihre Eltern damit einverstanden sein. Und es muss eine entsprechend ausgebildete medizinische Fachperson gefunden werden, die das Ganze begleitet. Dazu sind oft lange Reisewege nötig, weil es solche Fachleute nur selten gibt.

Auch erwachsene trans Menschen, gerade nichtbinäre trans Menschen wie ich, denken oft lange Jahre, sie seien damit vollkommen alleine. Eine der häufigsten Fragen, die mich erreichen seit ich diese Webseite habe, ist „wo kann ich andere trans Menschen finden? Bevor ich deinen Blog fand wusste ich nicht, dass es überhaupt andere wie mich gibt.“

All das wäre einfacher, wenn mehr Leute wüssten dass trans Menschen existieren, und welchen systematischen Problemen wir täglich ausgesetzt sind.
Deswegen nutzt bitte diesen Tag, um andere darauf aufmerksam zu machen. Auch und GERADE wenn ihr selbst nicht trans seid, sondern >cis<.
Helft mit, trans sein und alles was dazugehört sichtbar zu machen.
Denn das rettet Leben.

Danke.

Links zu Infoseiten:
„Mädchen? Junge? Pony?“ – eine informative, leicht verständliche Broschüre über Geschlecht, zum direkt lesen oder herunterladen
Trans-Kinder-Netz e.V. – ein Verein für Angehörige/Eltern von trans Kindern, mit vielen Erklärungen und Adressen
TransInterQueer – soziales Zentrum und Verein, der sich mit Beratung und Projekten unter anderem für trans und inter Personen einsetzt

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