A wie Asexualität

Das hier ist der Beginn einer Alphabet-Serie. Das heisst ich werde das Alphabet durchgehen und mich zu jedem Buchstaben mit passenden Begriffen befassen. Natürlich mit Schwerpunkt Geschlechtsidentitäten, aber auch zu anderen „queeren“ Themen.

Diese Woche (21.-27. Oktober) ist nämlich Asexual Awareness Week, und A ist doch ein erstaunlich passender Buchstabe um ein Alphabet anzufangen, nicht?

Logo für Asexualität

A steht also für asexuell

Asexualität ist eine sexuelle Orientierung, etwa so wie Homosexualität. Nur, dass asexuelle Menschen nicht mit jemandem des gleichen Geschlechts Sex haben möchten, sondern mit gar niemandem. Asexualität bedeutet, kein Bedürfnis nach sexueller Interaktion zu haben.

Eigentlich sollte man das ja nicht mehr betonen müssen, aber sicherheitshalber sag ich’s trotzdem noch dazu:
Asexuelle sind nicht „krank“ (weder physisch noch psychisch), sie haben nicht „den Richtigen bloss noch nicht gefunden“ und es liegt nicht an „schlechten Erfahrungen“, dass sie keinen Sex möchten.
Asexualität ist keine Phase und man kann sehr gut wissen dass man asexuell ist, ohne Sex je ausprobiert zu haben.
Asexualität ist ganz einfach eine sexuelle Orientierung wie jede andere auch; man sucht sie sich nicht aus, und man kann sie nicht wirklich ändern.

Natürlich können sich asexuelle Menschen genauso verlieben und mit jemandem „zusammen“ sein wollen wie sexuelle Menschen. Sie können jemanden schön finden, diese Person gerne berühren wollen, romantische Dinge mit ihr unternehmen – nur fehlt in der Anziehung eben die sexuelle Komponente.
Es gibt auch Asexuelle, die Sex haben, obwohl sie selbst kein Bedürfnis danach verspüren; zum Beispiel um der geliebten Person einen Gefallen zu tun, oder weil sie den Körperkontakt an sich angenehm finden („intensives Kuscheln“ gewissermassen).
Körperlich gesunde Asexuelle haben ausserdem auch einen ganz normalen Sexdrive, der genau wie bei sexuellen Menschen stärker oder schwächer ausgeprägt sein kann; bei Asexuellen ist die Libido jedoch ungerichtet, es besteht eben kein Bedürfnis, sie mit irgendjemandem auszuleben. Manche Asexuelle mit starker Libido masturbieren deswegen, manche tun es aber auch einfach zum Entspannen ohne sexuellen Hintergrund (vielleicht etwa so, wie wenn man sich angespannte Schultern massiert).

Wie so oft bei Menschen ist also auch Asexualität kein streng binäres Konzept. Es gibt nicht unbedingt „entweder oder“, also asexuell oder sexuell, vielmehr ist es ein Spektrum.
Menschen, die nicht vollkommen asexuell sind (also zB auch solche, die nur ganz selten oder nur ganz schwach sexuelle Attraktion empfinden, oder Menschen mit sexueller Attraktion aber ganz schwacher Libido) werden gray-asexual genannt, also im Graubereich der Asexualität. Ein spezielles Wort gibt es auch für Menschen, die das Bedürfnis nach Sex mit einer Person erst dann entwickeln, wenn zu dieser Person ein sehr starkes emotionales Verhältnis besteht: Demisexuell wird das genannt, also halb-sexuell.

Die Flagge (also das Symbol) für Asexualität spiegelt genau dieses Spektrum wieder: Schwarz steht für komplett asexuell, Grau für gray-asexual und demisexuell, Weiss steht für sexuell, und Lila für Gemeinschaft und Solidarität.

In unserer stark sexualisierten Gesellschaft werden Asexuelle leider oft isoliert oder sogar diskriminiert. Deswegen ist es wichtig, die Bekanntheit und Akzeptanz dieser sexuellen Orientierung zu verbessern!

Die beste Seite für Informationen zum Thema Asexualität ist das AVEN (Asexual Visibility and Education Network – Netzwerk für die Sichtbarkeit von und Aufklärung über Asexualität).
AVEN (auf Englisch) asexuality.org
Deutsche Version asexuality.org/de/
Deutsches Wiki asex-wiki.de

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3 Antworten zu A wie Asexualität

  1. Pingback: Glossar | Muh, das Telefonbuch

  2. Nun ist die AAW schon vorbei und ich habe diesen schönen Text erst jetzt gefunden.
    Grüße von einer asexuellen Bloggerin!

  3. Millie schreibt:

    Ich finde diesen Artikel eigentlich sehr gut, aber meiner Meinung nach hätte man auch auf die verschiedenen Typen eingehen sollen.
    Also, dass es verschiedene Arten von asexuellen Menschen gibt.
    Das hat etwas gefehlt…

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